Niederlande, Helgoland

weiter geht die Reise entlang der Niederländischen Küste. Ich halte mich nicht länger auf. Das Wetter passt und ich will weiter, nach Hause.

In Scheveningen ist die Marina rappelvoll. Vierer- und fünfer Päckchen an beiden Seiten des U- förmigen Steges. Am Abend ist es so dass man von Boot zu Boot von der einen auf die andere Seite kommt. Ich will tags darauf früh weiter und kündige das meinem Vordermann an, hoffentlich klappt`s.

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ab 0530 klingen die ersten Schraubengeräusche in meine Vorschiffkoje. Um 0730 lichten sich die Päckchen, nur vor mir ist es noch dicht. Ich mach mich klar zum ablegen und überlege wie ich am besten zum vor mir liegenden Boot komme um den Skipper zu wecken. Da kommt Bewegung im Päckchen nebendran auf; und wie durch Wunderhand tut sich eine  Lücke auf. Fix die Leinen los. Am Heck verholt zeigt der Bug in die Lücke und ich bin draußen.

Traumwetter! Mit Vollzeug und geschrickten Schoten geht es zügig und bei Sonnenschein in nördlicher Richtung die Küste entlang.

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Ray übernimmt das Ruder und Gregor Meyle singt „So lang ich dran glaube“ gleich ein paarmal hintereinander :o)

Einlaufend Den Helder brodelt das Wasser in der Strömung.

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Per Funk frage ich Den Helder Control ob ich einlaufen darf und bekomme das OK. Im hochmodernen Hafen zeigt die Niederländische Marine was sie hat.

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Ich plane in die Marina des Königlichen Marine Jacht Club (KMJC) zu gehen. Die Marina erreiche ich über CH31. Das ist ein internationaler Kanal und weder auf meiner stationären noch meiner Handfunke. So rufe ich die Telefonnummer aus dem REEDS an, bekomme Verbindung und sogar die Liegeplatz Nummer genannt. Einlaufend steht schon ein Helfer am Steg, nimmt die Leinen an und begrüßt mich auf Deutsch. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Wahl. Nach dem Wusel in Scheveningen finde ich hier Platz und Ruhe. Die Marina ist einlaufend die erste an Stb. Alles ist sauber, die Sanitäranlage großzügig modern und auf der Deichkrone das Clubhaus mit Restaurant. Die Karte ist überschaubar und überwiegend asiatisch, die Preise sehr niedrig. Bei Saté mit krossen Pommes genieße ich den schönen Ausblick aufs Wasser und die tiefstehende Sonne.

Am nächsten Morgen fahre ich mit dem ablaufenden Wasser los. Es erwartet mich ein weiterer Nachtschlag. 160sm bis nach Helgoland. Zu Beginn ist der Wind schwach und der Motor läuft. Nachmittags dann Segelwind. Ich quere das Verkehrs Trennungsgebiet Vlieland, gehe nördlich davon auf Kurs ENE und fahre in die Nacht. Zu Beginn komme ich auch zum Ruhen aber gegen 0200 ist es damit vorbei. Auf Kurs am Wind komme ich gerade so am Windkraft Feld Borkum Riff II vorbei. Man darf zwar hindurch fahren, aber in Stockfinsterer Nacht mache ich das besser nicht. Ist eh schon unheimlich genug die riesigen Rotoren knapp 100m im Lee zu haben. Weiter östlich komme ich auch an den im Bau befindlichen Nordsee Windparks vorbei. Doch die dort agierenden ein Dutzend Fischerboote beginnen zu nerven. Die AIS Signale auf meinem Plotter zeigen Kurs und Geschwindigkeit sowie den geringsten Abstand und die Zeit bis dahin an. Bei Gefahr der Annäherung weniger 300-400m ändere ich rechtzeitig meinen Kurs um in gutem Abstand zu passieren. Doch kurz darauf ändert der Kerl seinen Kurs um 45-90grd oder geht auf Gegenkurs um dann wieder genau in meine Richtung zu fahren. Oder er fährt dann parallel zu mir mit gleicher Geschwindigkeit und etwas spitzerem Kurs so dass der Abstand immer geringer wird. Was ich so alles an Gesten von mir gebe und in Richtung Fischer rufe schreibe ich besser nicht nieder ;o) Das geht so bis zum Hell werden, dann habe ich die Armada endlich hinter mir. Das Wetter ändert sich. Der Wind weht westlicher und nimmt zu, die ersten Regenschauer gehen nieder. Im Dunst taucht Helgoland vor mir auf. Noch knappe zwei Stunden, dann bin ich da.

Ich setzte meine Flaggengala an Steuerbord und genieße voller Glücksgefühle mit feuchten Augen den Moment.

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Vor einem Jahr begann hier die lange Reise in Neues, Unbekanntes Land mit dem ersten Einhand Schlag über drei Tage nach Dover. Viele vergangene Momente kommen mir in den Sinn; und nun bin ich hier, wieder angekommen, glücklich und dankbar. Auf Helgoland.

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