von Lorient via Concarneau und Audierne nach Camaret sur Mer

Von La Trinité geht`s weiter Nordwärts nach Lorient. Der Wind weht schwach. Ab dem späten Mittag kann ich zwei Stunden segeln, ansonsten wird motort.

Nach 35sm bin ich da und mache eine kleine Hafenrundfahrt. Vorbei an den trutzigen U- Boot Bunkern aus dem WKII in die Stadt Marina, aber dort liegen sie unter grauem Himmel schon in Zweierpäckchen am Besuchersteg. Ich habe keinen Bock auf Päckchenliegen, so fahre ich wieder ein Stück zurück und finde einen feinen Platz in der Marina Kernével. Nach dem einchecken klare ich das Boot auf und höre dabei wundervoll gespielte Musik, Klassik von Beethoven, Ravel, Musical- Melodien, James Bond Filmmusik. Das macht mich neugierig und ich lasse das Boot ausnahmsweise Boot sein und gehe den Klängen entgegen. Gleich hinter der Marina im Hof eines Restaurant ein Promenadenkonzert allererster Güte.

Da bleibe ich natürlich bis zur Zugabe.

 

Die Marina bietet kostenlos etwa 40 gute Leihfahrräder an. Tags darauf, am Montag schnappe ich mir eins, fahre zum nächsten Supermarkt und mache auch einen ersten Abstecher ins nahe La Base bei den einst von den deutschen Besatzern gebauten U- Boot Bunkern.

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In der Einfahrt liegen heute noch die zum Schutz vor feindlichen Torpedos versenkten Rümpfe

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Lorient hat hier dem wohl berühmtesten französischen Regatta- Hochseesegler Éric Tabarly ein Denkmal gesetzt.

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Hier liegen die von ihm konstruierten und gesegelten legendären Yachten mit Namen Pen Duick. Auch die erste, ein William Fife Riss, die er von seinem Vater übernommen hat.

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Um die Bunker herum entstand ein Segelzentrum für Profisegler, das seines Gleichen sucht. In den alten Bunkern integriert arbeiten Hightech Werften. Die Basislager der berühmtesten IMOCA open 60 Yachten, von denen etwa ein Dutzend an Land und im Wasser zu finden sind. Ich mache einen langen Besuch, erkunde jedes Eck und kann diesen phantastischen Booten ganz nah sein. Welch ein Erlebnis!!

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Am nächsten Tag geht es erst mit Verzögerung weiter. Seenebel, der sich gegen 1000 Uhr langsam auflöst. Beim Blick nach oben sind blauer Himmel und Sonne zu erkennen, beim Blick voraus kaum die nächste Fahrwassertonne. Wieder einmal bin ich wirklich froh um meinen RAYMARINE Plotter. Gegen 1100 Uhr ist der Spuk vorbei. Die Sicht ist gut und es scheint die Sonne. Mangels Wind motore ich und mache einen Schlenker zu den 10sm vor Concarneau liegenden Iles de Glénan. Jeder der die Kriminalromane mit  dem mürrischen Kommissar Dupin kennt hat von ihnen gelesen. Romane voll Spannung und einer wundervollen Beschreibung von Menschen und Landschaft der südlichen Bretagne. In der Marina Concarneau mitten im Ortszentrum finde ich am Besuchersteg Platz. Der Ort ist ziemlich touristisch. Die alte Festung auf einer Insel, die man über eine Brücke erreicht, hat eine lange Hauptstraße voll mit Touri- und Billigklamottenläden, Restaurants und Bars. Bin schnell wieder draußen. Im L`Amiral, Kommissar Dupins Stammrestaurant ;o) sind leider alle Tische besetzt. Ich genieße aber trotzdem feinste Meeresfrüchte. Nach einem Hafentag geht`s weiter.

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Ein feiner Segeltag mit sonnigem NW 3-4bft, Vollzeug und langen Kreuzschlägen Richtung Audierne. Den Motor muss ich nur zum aus- und einlaufen nutzen. Nach 51sm bin ich da. Vorsichtig taste ich mich zwei Stunden vor Hochwasser eine halbe Seemeile Flussaufwärts. Die kleine Marina inmitten des Orts gefällt mir auf den ersten Blick. Ein wohltuender Kontrast zum touristischen Concarneau.

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Die schmale und flache Fahrrinne erlaubt ein sicheres Einlaufen nur zwei Stunden vor und nach Hochwasser. Drinnen ist es auch bei Niedrigwasser an den für Besucher freien Kopfstegen mindesten zwei Meter tief. Der Hafenmeister auf Ch. 09 weist ein und steht am Schlengel.

Abends plane ich die nächste Passage. Ich muss die Enge "Raz de Sein" passieren. Der REEDS Segel- Almanach beschreibt die Gefahren und warnt vor gefährlichen eddies (Kreuzseen) wenn man zur Unzeit die Passage wagen will, denn es können Strömungen von bis zu 6kn auftreten. Man soll am besten zum slackwater dort sein, dem kurzen Stillstand zwischen den Gezeiten. Weil ich es nicht eilig habe wähle ich den NW- slack, so kann ich frühestens gegen 1500 Uhr passieren das heißt spätestens am Mittag ablegen und dann langsam Richtung Raz de Sein fahren.

Am folgenden Vormittag, etwa eine Stunde bevor ich ablegen will, schaue ich zufällig im klaren Wasser auf Ruder und Propeller. Dabei entdecke ich Ungewöhnliches am Propeller. Mich durchfährt es und mit dem Bootshaken versuche ich dem auf den Grund zu gehen. Verflixt, ein Tampen ist um ein Propellerblatt geschlungen. Mit dem Boothaken bekomme ich ihn zu fassen und kann dran ziehen. Nun hängt der Tampen noch an der Welle. Er ist aber nicht so lang, das ich ihn mit dem Bootshaken in die Nähe meines Armes bringe. Auch um den Bootshaken wickeln und ziehen klappt nicht. Ich versuche es immer und immer wieder. Mist!! Ich will nicht tauchen!! Muss aber wohl :o(( Ich denke nach: Zange? Messer? Mir fällt keine Lösung ein. Ich mache der Reihe nach die Werkzeugschubladen auf um eine Idee zu bekommen. In der dritten Schublade sehe ich meine Drahtbürste. Ha! die wird ans Ende des Bootshakens gebunden und ich gehe wieder Tampen fischen. Er verfängt sich fein in der Drahtbürste. Ich kann dran ziehen aber er ist zu kurz als das ich ihn zu fassen bekomme. Ich gebe Lose in den Bug- Festmacher. So kann das Heck näher zum Steg driften. Flach auf dem Bauch liegend, mit dem gegenüber liegenden Fuß am Steg verkeilt, damit ich kein Übergewicht bekomme, mache ich mich lang und länger und nach mehreren Versuchen endlich bekomme ich das Ende mit den Fingerspitzen zu fassen, wickle es weiter um die Finger und kann daran ziehen, bis ich den Tampen in der Hand habe. Jiehaaa! Triumphierend strecke ich ihn in die Höhe und schimpfe ihn: Dreckstampen, was hast Du in meiner Schraube verloren?

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Das war knapp. Ein paar Minuten später hätte ich ins Wasser gemusst um das Problem zu lösen. So kann ich fröhlich Ablegen und Auslaufen. Langsam taste ich mich durch die enge, mit gelben Bojen gekennzeichnete Rinne hinaus. Dabei hilft mir das Merkblatt aus der Capitanierie.

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Mit schwachem Westwind gegenan motore ich langsam Richtung Raz de Sein. Dabei werde ich von mehreren französischen Yachten überholt. Mit dem Fernglas sehe ich sie die Passage machen. Nun gebe ich auch mehr Gas und wage mich früher als geplant hindurch. Das moderate Wetter läßt dies zu. In der Enge selbst habe ich 1,5kn Gegenstrom und das Wasser ist ein wenig unruhig.

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Ich setze die Segel und mit halbem Wind und Rausche Fahrt geht es Richtung Camaret sur Mer. Kurz nach 1800 Uhr mache ich im Port du Notic in der Stadt fest, gehe sogleich zum einchecken und danach in die nächste Bar in der ein Fernseher läuft, denn Deutschland spielt gegen die Slowakei. 3:0, leckere Pizza und dann an Bord, aufklaren und schlafen.

Der nächste Tag beginnt trübe aber am Nachmittag scheint die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Ich ziehe fix meine Wanderschuhe an, packe Vesper und Trinken in den Rucksack, schnalle die Kamera um und mache mich auf den Weg, immer der Küste entlang. Eine schöne, drei stündige Wanderung mit imposanten Ausblicken auf die strahlend schöne, beindruckend raue Küste.

 

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