wieder in Fahrt

seit heute weht der Wind aus Süd; und ich will nach Nord, das sollte passen. So schaue ich Morgens aus dem Luk. Die Verklicker der Yachten zeigen gen Süd und es nieselt, nicht weiter schlimm, aber die Sicht ist mies. Nach dem Frühstück ist es nicht besser. Ich mache mich auf den Weg an den Strand um freien Blick zu haben und beschließe zu warten, denn die Sicht beträgt kaum eine Seemeile.

Gegen 1100 Uhr reißt der Himmel auf und die Sicht verbessert sich schnell. Nun geht es zügig. Seezeug anziehen, Deck klarieren, Stromkabel einsammeln, Navigation einschalten, Leinen los und ablegen. Der Wind steht auf die Marina Einfahrt und ich liege Luvwärts quer zum Wind. Aus der Box komme ich gut, aber dann macht mir der Radeffekt der BOGGES BOGGES zu schaffen. Zum Wenden ist es zu eng und rückwärts, gegen den Wind, zieht es mich mit Macht nach Bb und Sie nimmt kein Ruder an. Im dritten Anlauf vor und wieder zurück klappt es dann endlich. Perfekt für das Hafenkino das sich langsam füllt. Ich bekomme aber zum Schluss Daumen hoch, freundliche Blicke und „well done“ Rufe :o)

In der Ausfahrt stink es erbärmlich. Oben auf der Mole stehen zwei Beamte und schauen besorgt auf einen großen, bunt schimmernden Ölteppich, der in die Marina treibt. Höchste Zeit zum Aufbruch.

Ich will auslaufen und herein kommt gerade die Seacloud, da mache ich natürlich Platz und warte.

seacloud

Draußen fahre ich im großen Bogen über West nach Nordwest um Abstand von der Küste zu gewinnen. Die Genoa wird ausgerollt und mit 5kn Fahrt geht es gen NNW. Die Anspannung der letzten Stunde fällt langsam ab und ich realisiere das ich wieder auf See bin. Fein! Das Wetter wird besser und sogar die Sonne lässt sich blicken, das scheint dem Wind nicht zu gefallen denn er nimmt ab, so läuft zeitweise die Maschine mit um meinen 5kn Schnitt zu halten.

Die Küste ist gespickt mit Fischerbojen. So ist an entspanntes Geradeausfahren nicht zu denken. Ich halte ständig Ausguck, finde aber auch Gelegenheit via Kurzwelle Positionsreport und emails zu senden. Es macht Freude zu sehen wie gut die Amateurfunkanlage arbeitet.

Die Ansteuerung von Viana do Castelo klappt gut, ist aber, wie immer bei einem neuen Hafen, spannend. Auf meine Anrufe auf VHF Ch 09 antwortet niemand, aber beim Näherkommen sehe ich am Besuchersteg der Marina winkende Hände, der Marinero. Er nimmt die Leinen an und macht auch den Checkin. In die Marina kann ich nicht, denn die Fußgängerbrücke davor ist geschlossen. Ich vertäue mich gut. Mit dem ablaufenden Wasser des Ebbstroms zeigt meine Logge bis zu 2kn die unter der BOGGES BOGGES durchrauschen.

Ich bin entspannt und zufrieden. Der erste Tag auf See ist vollbracht, nichts Schlimmes ist passiert und ich freue mich auf die kommenden Erlebnisse und Abenteuer. Zu Abend mache ich mir die berühmt- berüchtigte drei Dosen Soße mit Farfale. Unter Deck ist es warm und trocken. Morgen, so Gott und Rasmus es wollen, geht es nach Vigo.

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