Zweiter Tag auf See

Tag zwei auf See. Die erste Nacht war ruhig. Nur ein Dampfer weit im Luv ist an mir vorbei gefahren. Sein AIS Signal war auf dem Plotter zu erkennen. Wind und Welle moderat. Mit um die 5kn gehts voran und ich bekomme ausreichend Ruhephasen. Mit dem Sonnenaufgang mache ich meine bordtaugliche Morgentoilette und dann das Frühstück.

Müsli mit Hafermilch und eine Banane reingeschnibbelt. Das klingt einfach. Ist es sicher auch zu Hause, aber hier an Bord, wo ständig von quer bis schräg achtern die 2-3m hohen Wellen durchlaufen und das Schiff rollt und wippt, geht das so: Zuerst sicheren Stand verschaffen, dann das Schapp mit der Müslischale an Bb im richtigen Augenblick aufmachen, Schale schnappen und gleich wieder zu bevor das Boot über holt und der restliche Schappinhalt hinterher kommt. Das gleiche nebenan mit der Müslipackung. Die Schale stelle ich in das tiefe Waschbecken der Pantry, da kann sie nur wenig hin und her rutschen und ich kann mich gut hinstellen, denn zum Müsli reinschütten brauche ich beide Hände. Schale festhalten und Müsli vorsichtig schütten. Das Müsli kommt zurück in sein Schapp, wie gehabt.

Hinhangeln zur Kühlbox, festhalten, aufmachen, kleinen Joghurt raus und zu machen. Zurück zur Spüle, verkeilen. Joghurt öffnen und mit einem Löffel, der zum Glück schon in der Spühlschüssel nebendran liegt, schabe ich ihn aus dem Becher zum Müsli. Den Becher in die Müllbox unter der Spüle entsorgen. Den abgeschleckten Löffel quer im Mund, damit er mir nicht flitzen geht wenn ich ihn ablege, hole ich nun die Milch aus der Kühlbox. Dazu muß ich nur einen Schritt zur Seite tun. Wenn aber das Boot genau in diesem Augenblick in ein kleines Wellental fällt; und das tut es, trete ich ins Leere, verliere das Gleichgewicht und hänge in den Seilen. Habe ich dann die Milch, warte ich bis das Boot mal einen Moment ruhig liegt. Verpasse ich den oder schütte im falschen Moment, so kommt entweder keine Milch weil das Boot zum reinschütten just die Gegenbewegung macht, oder es kommt ein Riesenschwall und die Schale ist voll. Deswegen steht sie in der Spüle ;o) Dies auch gern in 2-3 Ansätzen. Teewasser in den Becher geht übrigend genau so, nur noch vorsichtiger, da heiss.

Dann hangele ich am Handlauf zur Maststütze. Dort hole ich aus dem Obstnetz eine Banane. Zurückhangeln; das sind jeweils nur drei kleine Schritte, aber ohne festhalten geht da gar nichts. Nun zwischen Pantry und Anrichte verkeilen, wobei auch in die Knie gehen hilft, das bringt den Schwerpunkt runter. Die Banane schnippeln und ins Müsli, dazu muß ich nur den Oberkörper drehen. Noch vorsichtig umrühren, fertig.

Das Problem unter Deck ist der fehlende Horizont. Man spürt zwar die Bewegung, kann sie aber nicht richtig einordnen und ist so gezwungen sich IMMER gut fest zu halten.

Das Müsli geniesse ich dann auf meinem Kapokkissen sitzend gut abgestützt draussen am Niedergang, schaue dabei aufs Meer und lasse mir die wärmende Morgensonne ins Gesicht scheinen. Der Segeltag heute war entspannend. Nur zwei Mal kam eine graue Wolke mit Regen und mehr Wind drin, Groß kurz fieren, dann war gut. Das war dann auch nach jeweils 10-15 min vorbei. Ansonsten weißblauer Himmel, raumer Westwind um 4-5bft. Ein weiterer Tag zum Geniessen.

Nun gehts in die zweite Nacht.

 

 

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