schmunzelnd durch die Nacht

Nach der anstrengenden letzten Nacht hole ich mir den entgangenen Schlaf zurück. Das Wetter ist moderat und stabil, nur die Sonne ist sparsam. Tiefhängende Haufenwolken ziehen über den Himmel und darüber sehe ich fahl die Sonne schimmern; und das Boot marschiert.

Habe die Windpilot Anlage nun, denke ich, im Griff. Trotzdem es massive Mechanik ist entpuppt sich die Anlage doch als sensibel. Der gesamte Regelkreis muß stimmen. Der Anbauwinkel des Pendelruders im Wasser, das den Ruderausschlag liefert ist besonders wichtig. Dann die Steuerseile und die Umlenkung zum Steuerrad. Die Windfahne selbst kann auch verstellt werden. Einmal der Anstellwinkel zum Wind sowie auch die Neigung der Windfahne. Zu guter letzt ist der Trimm des Bootes immens wichtig. All das hat Einfluß auf das Steuerverhalten und wenn sich der Wind ändert muß ich zügig an den richtigen Stellschrauben drehen damit weiterhin der Kurs stimmt.

Bestes Beispiel Gestern Abend. Der Wind nimmt, wie vorhergesagt, zu. Das Boot wird schneller, die Segel erzeugen mehr Druck und die Tendenz zum luven wird stärker. Steuer ich von Hand, dann drehe ich halt mehr am Rad. Der elektrische Kumpel gibt mehr Schubstange auf den Quadranten. Beim Windpilot und allen anderen mechanischen Steueranlagen ist die Strecke des Ruderlegens auf ca. 25cm zu jeder Seite begrenzt. Das hängt mit dem maximalen Ausschlag des Pendelruders zusammen. So muß ich hier zuerst die Segelfläche verkleinern und den Segeltrimm anpassen damit der Druck abnimmt und möglichst der Speed bleibt. Dann den Anstellwinkel der Windfahne etwas mehr nach hinten verlagern, das macht ihr Verhalten weniger nervös, schauen ob die Spannung der Steuerseile noch straff genug ist, dann einige Minuten beobachten und evtl. noch am Radadapter ein wenig Vorhalt einstellen.

Gestern Abend und die ganze Nacht hindurch wehte es mit 5bft. Es standen nur noch ca. 30% der Genoa, ein winziger Rest und ich bin mit Rauschefahrt, immer 6,5kn und mehr durch die Nacht ohne auch nur einmal nachzustellen, bis um 0130Uhr. Da war dann das erste Steuerseil an einer Kante die ich übersehen habe durchgescheuert. So schnappe ich mir zwei Umlenkrollen, denn die zweite Leine ist auch schon fast durch, montiere sie, fädele neue Seile ein und befestige sie. Dann die alte Einstellung wiederherstellen.

Bei dem gesammten Job muß ich ungewollt schmunzeln, denn es gefällt mir. Mitten in der stockdunklen, Mondlosen Nacht auf dem rolligen Nordatlantik. Hatte mich gerade abgelegt und war eingenickt. Das Boot schaukelt und rollt in der  2-3m hohen Welle abruppt bei 6,5kn Fahrt. Eine Hand bzw. Fuß immer wieder am Ruder um den Kurs zu halten, nebenher am Heck außerhalb des Bootes zwei Umlenkrollen befestigen. Kurs halten, Seile einfädeln, schei..., Stirnlampe verrutscht, Kurs, Knoten einbinden, Achtung! hohe Welle rollt durch; festhalten und Ruder legen, die Seile spannen, Kurs. Dann den Radadapter verriegeln, beobachten...fertig. Das ist es was ich so sehr am segeln und auch am Arbeiten mag: da ist eine Herausforderung, um nicht zu sagen ein Problem, und das will gelöst werden; und zwar jetzt! weil ich es kann.

Die letzten sechs Arbeitsjahre hatte ich keine Chance auf diese Art von Aufgabenbewältigung. In einem Büro passiert halt nichts derart Unvorhersehbares. Daher wohl auch das Schmunzeln, denn nun kann ich meinen Nachholbedarf stillen, soooo gut. Das ich bei der gesammten Aktion mit der Lifeline gesichert war versteht sich von selbst.

Der Rest der Nacht verlief ruhig und ich mache viele Meilen Richtung Madeira gut.

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren