Blauwassersegeln

In die vergangene Nacht fahre ich mit Maschine. Ich will gen Westen um den vorhergesagten Nordwestwind zu erwischen, der sich in Küstennähe auch die nächsten Tage nicht einstellen will. Zügig quere ich das Verkehrstrennungsgebiet am Cap Finesterre, unterschätze aber die Strecke. Das waren dann doch über 15 Meilen bis ich durch bin, über drei Stunden Fahrt in stockdunkler Nacht.

Zu allem Überfluss kamen mir auch noch dicke Pötte entgegen. Die sehe ich zwar als AIS Signal auf dem Plotter, aber wenn so einer dicht an mir vorbeifährt und ich nicht weiß ob er mich sieht, dann mach ich lieber rechtzeitig einen Bogen um ihn.

Es ist 0100 Uhr, endlich bin ich durch, der Wind langt zum segeln. Mit altbekanntem Kurs von 210grd gehts mit 3,5kn gemächlich durch die Nacht. Ich stelle meinen Wecker auf 30min und bringe den Rest der Nacht so gut rum. Im Morgengrauen ist dann völlige Flaute, grau und nieselig.

Ich bin nun den fünften Tag auf See und mehr oder weniger immer in den selben Kleidern, mittlerweile salzig und klamm. So nutze ich den ruhigen Moment um ausgiebig Körperpflege zu betreiben und dann frische Sachen anzuziehen.

Eigentlich habe ich dafür zwei Wassersäcke gefüllt, die als Solardusche funktionieren, aber nicht bei dem Wetter. So fülle ich Wasser aus einem in den Wasserkessel, mache es heiß und gieße es wieder zurück in den Sack. Wunderbar! Die Dusche wird an der Baumnock festgebunden, ich sitze auf der Bank; und schon kommt das warme Nass. Haare waschen, erst mit dem dritten Mal waschen fängt das Schampoo endlich an zu schäumen, nicht wegen Dreck sondern wegen Salz. Der Rest wird mit dem Waschlappen abgeschrubbt und dann warm abgespült. Eine unbeschreibliche Wohltat. Ich fühle mich wie neugeboren.

Danach Frühstücken und schon wenig später setzt der vorhergesagte Wind langsam ein. Ich berge das Großsegel und nur mit den Genoa gehts bald Halbwind mit munteren 6kn Richtung Madeira. Gegen Mittag ist dann auch das Wetter gut. Die Sonne scheint vom weißblauen Himmel. Ich mache mir scharfe Spaghetti. Viel Olivenöl, ein paar getrocknete Chillis mit dem Mörser aufreiben und ins Öl, viel Kloblauch kleinhacken, bei mir waren es heute 5 Zehen :o) das Öl erwärmen, den Knovi darin hellgelb anschwitzen und zum Schluß ne Handvoll gehackte grüne Oliven dazu. Dann ab auf die Spaghetti und frisch geriebenen Parmesan darüber. Leckerst! Bei Sonnenschein sitze ich im Cockpit, schaue verzückt aufs Meer und verdrücke mit Wonne 2 Portionen. Zur Feier des wunderbaren Tages gibt`s ne Dose Butweiser dazu, von der Rasmus einen gehörigen Schluck abbekommt.

Ich segle im Blauwasser. Überwältigt und glücklich stehe ich auf den Sitzduchten und schaue über die Sprayhood auf das abgrundtief blaue Meer. Die lange Dünung aus Nordwest hebt und senkt sich langsam, überlagert von der Windsee, die immer wieder für abruppte Bewegung im Boot sorgt. Die Sonne läßt das Wasser glitzern und zwei Delfine spielen in der Bugwelle der BOGGES BOGGES. Weit und breit kein anderes Boot in Sicht. Ich könnte heulen vor Glück, sooo schön sind die Momente. Bis Madeira sind es noch ca. 600sm, die Wettervorhersage verspricht Nördliche Winde um 4-5bft, auch für die kommenden Tage.

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